Textauszug aus «Wild _ Überdrang» · 2025
Wunder nehmen Zeit.
Zeit nimmt Wunder.
Zeit heilt Wunden.
Wunden brauchen Zeit.
Ein Leben voller Wunder,
wenn das Wunder denn will.
Wenn uns das Wunder will.
Wir das Wunder wollen.
Und das Wunder Wunden heilt.
Wir wundern uns über diesen Vater,
der niemals sein wollte, was er war.
Seine Wunden sind seine Träume.
–
Diese Wanderungen an Berge,
in der Verfolgung von Raubtieren,
den Geparden –
in Zeitlupe.
«Blind» · 2023
drohende Zukunftsflüche –
Untergang von Welten –
das Uns vergessend
Liebe blutet
hell leuchtend rot
doch bin ich grün
gestern
die Blume hustet
in der Weltverschmutzung
den Baum gefällt –
dreh’ ich mich um
dir ins Auge sehend –
blinke zweimal
dreimal
nichtgesehen
fort
«Irrlichter» · 2022
heute spreche ich Sandkörner
sie tanzen wild mit dem Wind
und treiben ungestüm ihr Unwesen
in meinem Kopf
«Filterzustand» · 2022
Bienenschwärme –
das Summen laut
dann leise
vom Paradies geträumt
hängen wir losgelöst
zwischen den Welten
im Aufwachen
stehen die Gestirne still
Wiederholung als Randnotiz –
Warteschlaufe
«Spuk im Schaufenster der Phantome» · 2016
gefangen und gefesselt
in der Heimat des eigenen Geistes
überlebt nur
wer sich selbst im Schaufenster
doch wieder zu erblicken vermag
der Verängstigte
fällt dahin
in die Dunkelheit
und begräbt sich
im hoffnungslosen Gewühl
der zerstörten Lebensbahn
eingehüllt in eine Luftblase
wird er irgendwann fortgetragen
und kehrt nie wieder zurück
«Durst» · 2014
Blitz und Donner in der Sternennacht.
Füchse auf der Jagd nach Wölfen.
Der Sonnenwind trägt das Licht in die Dunkelheit.
Violett sind die Schlieren am Himmel.
Ein Flackern geht um die Welt
und der Werwolf macht die Nacht zum Tag, –
wittert Beute.
Das Blut in seinen Adern
ist nicht von dieser Welt.
Gierig und ruhelos flieht er durch die Wälder,
bis die Schreie der Kinder verstummen.