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Sprachräume

Mein Violett ist das gelbe Du.

Träume, Fragmente, Annäherungen 

Textauszug aus «Wild _ Überdrang» · 2025


Es gab sie früher einmal,
diese Orte. 

Die Füchsin hält an, dreht sich um.
In diesem von uns Weglaufen –
hält sie inne.

Durch diese Wälder ziehen,
geschmackvoll.
Die Sinnlichkeit uns berührt –
in deinem ruhigen, stillen,
wachsamen Blick.

Wir waren damals –
einmal, zweimal –
mit dir gewandert.
Du berührtest eine dieser innersten Formen.
Damals.

Wir könnten weinen nun, wenn wir heute durch diese Büsche schreiten.
Du bist nicht da –
nicht mehr.
Wolltest das Meer sehen –
bist weitergegangen.

Wir erinnern uns –
und erinnern –
und erinnern. …

Das hohe Gras bis zu unseren Schenkeln reicht.
Wir lachen, wir erröten –
eine Glut erwacht.
Unsere Fingerspitzen sind wachsam.
In der Verlängerung spüren wir,
erkennen wir –
diese Linien, die von uns fortführen.

Bis über die Spitzen hinaus nach dieser Berührung gesehnt,
wandert unser Blick zum Horizont –
wird breit.

Du bist da –
dein eines Auge in der Beobachtung weit.
Wissend, leicht –
verwurzelt mit den Dunkelheiten in dir.

Leg dich hin –
sei das Gras,
sei der Himmel,
sei die Sterne.

Wie könnten wir denn anders, als deiner Aufforderung zu folgen.
Diesem Nachgehen von dieser Aufgabe –
die uns damals nicht ganz so leicht erschien.

Was wird unter uns sein –
was sich bewegen –
was uns tatsächlich berühren.

Berühren und Bewegen.

Was wird uns beglücken –
uns erschrecken.

Was wird unsere Zäune
niederreissen. –

Dann hören wir ein Bellen –
Rufe.
Deine Nachkommen regen sich neben uns –
tausend funkelnde Augen am Horizont.

In diesem hohen Gras.
Unter dem Nachthimmel.
Liegen bleiben.

Textauszug aus «Wild _ Überdrang» · 2025


Wunder nehmen Zeit.
Zeit nimmt Wunder.
Zeit heilt Wunden.
Wunden brauchen Zeit.

Ein Leben voller Wunder,
wenn das Wunder denn will.
Wenn uns das Wunder will.
Wir das Wunder wollen.
Und das Wunder Wunden heilt.

Wir wundern uns über diesen Vater,
der niemals sein wollte, was er war.
Seine Wunden sind seine Träume.

Diese Wanderungen an Berge,
in der Verfolgung von Raubtieren,
den Geparden – 
in Zeitlupe.

«Blind» · 2023


drohende Zukunftsflüche –
Untergang von Welten –
das Uns vergessend

Liebe blutet
hell leuchtend rot

doch bin ich grün
gestern

die Blume hustet
in der Weltverschmutzung

den Baum gefällt –
dreh’ ich mich um

dir ins Auge sehend –
blinke zweimal
dreimal

nichtgesehen
fort

«Irrlichter» · 2022


heute spreche ich Sandkörner

sie tanzen wild mit dem Wind
und treiben ungestüm ihr Unwesen

in meinem Kopf

«Filterzustand» · 2022


Bienenschwärme –
das Summen laut
dann leise

vom Paradies geträumt
hängen wir losgelöst
zwischen den Welten

im Aufwachen
stehen die Gestirne still

Wiederholung als Randnotiz –

Warteschlaufe

«Spuk im Schaufenster der Phantome» · 2016


gefangen und gefesselt
in der Heimat des eigenen Geistes
überlebt nur
wer sich selbst im Schaufenster
doch wieder zu erblicken vermag

der Verängstigte
fällt dahin
in die Dunkelheit
und begräbt sich
im hoffnungslosen Gewühl
der zerstörten Lebensbahn

eingehüllt in eine Luftblase
wird er irgendwann fortgetragen
und kehrt nie wieder zurück

«Durst» · 2014


Blitz und Donner in der Sternennacht.
Füchse auf der Jagd nach Wölfen.
Der Sonnenwind trägt das Licht in die Dunkelheit.
Violett sind die Schlieren am Himmel.
Ein Flackern geht um die Welt
und der Werwolf macht die Nacht zum Tag, –
wittert Beute.

Das Blut in seinen Adern
ist nicht von dieser Welt.

Gierig und ruhelos flieht er durch die Wälder,
bis die Schreie der Kinder verstummen.